Neubau einer Kirche als Holzbau | Broschüre |Eine Kirche ganz aus Holz | Funktionalität | Bauliche und rechtliche Besonderheiten eines Kirchenneubaus | Kirchweihe | Grundsteinlegung | Planungsbeauftragung | Glocken für das Gemeindezentrum | Projektteam


2015-2017, 1. Preis Wettbewerb


Neubau einer Kirche als Holzbau

Entwurf

Für die ev.-luth. Kirchengemeinde Quickborn-Hasloh planten und bauten MMST Architekten ein Gemeindezentrum in als Holzbau. Die Verbindung von natürlichen Materialien und durchdachter Raumwirkung hatte den Kirchengemeinderat im Wettbewerbsverfahren überzeugt.


Broschüre über den Neubau von Kirche und Gemeindezentrum in Hasloh

Holzbau-Buch über die Kirche und Gemeindezentrum in Hasloh
Bei Interesse senden wir Ihnen gerne gegen Kostenerstattung unsere Broschüre, die den Neubau von Kirche und Gemeindezentrum in Hasloh dokumentiert.
Erfahren Sie mehr zu den Themen:

  • Wettbewerbsentwurf
  • Konstruktion, Kosten und Nachhaltigkeit
  • Holzbau
  • Innenausbau
  • Fassade

Außerdem finden Sie im Anhang ein Verzeichnis aller am Bau beteiligten.



Eine Kirche ganz aus Holz

Modularer Holzbau

Die Kirche wurde aus in der Zimmerei vorgefertigten Holzmodulen errichtet
Die Wahl der Materialität Holz hat für die neue Kirche in Hasloh eine besondere Bedeutung. Denn bereits während des Architektenwettbewerbs 2015 war es der Entwurf einer Holzkonstruktion, der das Preisgericht für sich gewinnen konnte. Holz hat für diesen Zweck zahlreiche Vorteile: Einerseits eignet sich die Holzbauweise bestens für große Spannweiten. Andererseits besitzt Holz ganz natürliche Dämmeigenschaften – es musste zum Wärmeschutz kein weiterer großer Aufwand betrieben werden.

Die Seitenwände des Neubaus wurden als Modulbauteile in der Zimmerei vorgefertigt und als fertige Elemente auf die Baustelle geliefert. Hier wurden sie mithilfe eines Krans aufgerichtet und im Anschluss befestigt und ausgesteift. Die Elemente brachten bereits eine integrierte hölzerne Dämmebene mit.

Einige Stahlbauteile haben wir in der Konstruktion versteckt, sie sind hier am roten Rostschutzanstrich zu erkennen. Die modulare Bauweise birgt noch weitere Vorteile: Zum einen erspart die Vorfertigung viel Zeit und ist wetterunabhängig. Des Weiteren ist diese Herstellungsart der Bauteile deutlich weniger kostenintensiv.

Innenausbau

Innenausbau mit Holz
Vor allem im Bereich des Innenausbaus überzeugt der natürliche Baustoff Holz durch seine warme Ausstrahlung und die angenehme Haptik. Nicht zuletzt lässt Holz sich einfach warten und instandsetzen.

Der Kirchenraum zeigt sich ganz in Holz, die übrigen Räume sind eine Kombination aus Glas und weißem Putz oder Farbe. Durch die Schlichtheit wirkt die Raumform. Wir haben für die Funktionen „Kirche“ und „Gemeindehaus“ zwei unterscheidbare Gebäudeteile gewählt. Der flache Gebäudeteil ist ein schlicht weiß geputzter Baukörper mit Gründach. Diese Kombination lässt die Kirche deutlich präsenter in Erscheinung treten.

Die Kirche in Hasloh wurde als Holzbau errichtet


Funktionalität

Der Kirchenraum

Innenausbau mit Holzbau
Der Kirchenraum hat einen eigenen Eingang vom Platz, einen kleinen Windfang und Garderobenbereich. Er ist introvertiert und mit einer klassischen Dachform sofort von außen wie von innen erkennbar. Die Orgel ist in der Mitte hinter den Reihen platziert. Der Kirchenraum kann allein oder in Kombination mit dem Erweiterungsraum genutzt werden.

Der Erweiterungsraum

Der Erweiterungsraum hat ganz unterschiedliche Möblierungsvarianten und Funktionen: „Erweiterung des Kirchenraumes“, „eigenständiger Gemeinderaum“ und „Foyer“. Der Erweiterungsraum ist zum Vorplatz und zum Garten großzügig verglast – er wird dadurch zum Multifunktionsraum. Ein historisches Kirchenfenster zum Garten wird in diesem Raum wiederverwendet. Die übrigen Räume sind zusammengefasst mit einem eigenen Nebeneingang realisiert. Die internen Wegebeziehungen sind über den Nebenflur mit integrierter Garderobe vielfältig, z. B. ist eine Belieferung der Küche möglich, ohne eine Veranstaltung im Erweiterungsraum zu stören.


Bauliche und rechtliche Besonderheiten eines Kirchenneubaus

Allgemeine und kirchenaufsichtliche Bauordnung

Stefan Scholz als planender Architekt setzte sich im Zuge des Bauprojektes umfassend mit den baulichen und rechtlichen Besonderheiten eines kirchlichen Gebäudes auseinander. So waren beispielsweise zwei Baugenehmigungen notwendig, eine gemäß der allgemeinen Bauordnung und eine kirchenaufsichtliche. Für letztere spielten Glocke und Orgel eine besondere Rolle. Beide zogen ebenfalls mit in das neue Kirchengebäude um und brachten ein großes Stück Vertrautheit mit in die neuen Räume. Eine weitere Besonderheit und Herausforderung zugleich war für den Architekten die erwartungsvolle Gemeinde, jedes Mitglied fieberte von Beginn an mit, vom Entwurf bis zur Fertigstellung.

Kirche und Gemeindehaus in einem

Nun ist das Gebäude aus Holz komplett, geweiht und bereit für alle künftigen Gottesdienste: Zwei in eins, Kirche und Gemeindehaus. Welche Funktion auch im Vordergrund steht, der Neubau der evangelischen Kirchengemeinde in Hasloh trifft die deutliche Aussage: Ich bin eine Kirche.

Gesamtansicht des Neubaus des Gemeindezentrums in Hasloh


Die Kirchweihe macht den attraktiven Holzbau zum Gotteshaus

Kirchenweihe in Hasloh
Kirchenweihe in Hasloh (Foto: Stefan Scholz)

Bischöfin weiht Kirche in Hasloh

Ein akribischer Planungsweg und eine von mitfiebernden Gemeindemitgliedern begleitete Bauphase mit abschließendem Richtfest fanden am 03. Dezember 2017, dem 01. Advent, im Rahmen eines Gottesdienstes mit Kirchweihe ihren vorläufigen Höhepunkt.

Die festliche Veranstaltung bildete den Auftakt für den neuen räumlichen Mittelpunkt der evangelischen Kirchengemeinde in Hasloh. Bischöfin Kirsten Fehrs führte die Weihe durch, zuvor musste die bisherige Kirche „entwidmet“ werden. Feierlich zogen die Gemeindemitglieder im Anschluss gemeinsam mit der zugehörigen Ausstattung in die neue Kirche, die nun von der Bischöfin geweiht werden konnte. In die neuen Räume war im Vorfeld bereits die vertraute Orgel der Gemeinde mit eingezogen. Sie besitzt 422 Pfeifen und wurde im Rahmen ihres Umzuges von dem Orgelbauer Kurt Quathamer sorgfältig wiederinstandgesetzt. Hierfür mussten alle Verschleißteile wie Dichtungen, Filze und Leder erneuert werden. Besonders anspruchsvoll machte die Instandsetzung, dass die Handwerker das alte Instrument auf eine spiegelglatte Platte setzen mussten, um es zur Wartung 40 cm nach vorne bewegen zu können. Nach der Überholung stimmte Kurt Quathamer den Orgelklang individuell auf den neuen Kirchenraum ein. Neben dem Instrument findet auch die liebgewonnene Kirchenglocke – als prägendes gestalterisches Element – weiterhin Verwendung im neuen Glockenturm.

Der erste Gottesdienst in dem Kirchenneubau
Der erste Gottesdienst in der Hasloher Kirche (Foto: Stefan Scholz)

Kirche als besonderes Holzbau-Projekt für MMST ARCHITEKTEN

Architekt Stefan Scholz verlor ebenfalls ein paar Worte zu dem neuen Gotteshaus, das für ihn ein „ganz besonderes Bauprojekt“ gewesen sei. Sein Architekturbüro MMST ARCHITEKTEN spendete daher ein großformatiges Holzkreuz, das die Kirchenfassade von nun an dauerhaft zieren soll. Im Zuge der Veranstaltung kam nicht nur die ansprechende Holzoptik, sondern auch die hervorragende Akustik der Kirche bestens zur Geltung. Die Sprechenden brauchten in dem mit mehr als 160 Personen gefüllten Raum kein Mikrofon, um von allen verstanden zu werden. Ein Abendmahl rundete die Kirchweihe feierlich ab.

Kirche in Neubaugebiet als „Zentrum der Hoffnung“

Pastor Florian Niemöller lobte an der neuen Kirche besonders, dass der Raum sich mithilfe einer Schiebewand verkleinern ließe, wenn zum sonntäglichen Gottesdienst eine kleinere Gruppe an Gemeindemitgliedern erscheine. Weiterhin bezeichnete der Geistliche die Holzbau-Kirche inmitten des Hasloher Neubaugebiets als ein „Zentrum der Hoffnung“.


Rückblick: Grundsteinlegung 2016

Marco Weckbrodt (li.), Claudia Weisbarth und Hartmut Ermes bei der Grundsteinlegung in Hasloh.
Marco Weckbrodt (li.), Claudia Weisbarth und Hartmut Ermes bei der Grundsteinlegung in Hasloh.

Der offizielle Beginn zum Bau am neuen Gemeindezentrum Hasloh fand am 24. November 2016 statt. In feierlicher Atmosphäre wurde der Grundstein gelegt. Die Gründung inklusive der notwendigen Erdarbeiten sollte der nächste Schritt sein.

Das Projekt begann für MMST ARCHITEKTEN mit der Teilnahme an einem Architektenwettbewerb. Hierbei konnte sich das Architekturbüro im März 2015 gegen die Beiträge vier anderer Büros durchsetzen. Ausschlaggebend war für das Preisgericht unter anderem die farbliche Abgrenzung der Kirche vom Gemeindehaus. Auch die geplante Konstruktionsweise als Holzbau überzeugte.

Planungsbeauftragung

Ende Februar 2016 wurde offiziell vom Kirchengemeinderat die Planung beauftragt. Die folgende Entwurfsphase nahm zwei Monate in Anspruch.

Zwei Baugenehmigungen notwendig

In diesem Fall waren zwei Baugenehmigungen notwendig: Eine gemäß der allgemeinen Bauordnung sowie eine kirchenaufsichtliche Baugenehmigung. Für die kirchliche Baugenehmigung wurden insbesondere die Glocken- und die Orgelplanung durch Gutachter der Landeskirche geprüft. Bevor die Freigabe zur Baugenehmigung vom Bauherrn erteilt wurde, setzte sich der Kirchengemeinderat mit dem Entwurf und den Baukosten intensiv auseinander.

Gemäß der Planungsprozesse war für die Innenwandverkleidung des Andachtsraumes ebenfalls Holz angedacht, während der Boden mit Naturstein ausgelegt werden sollte. Da es sich bei diesem ebenfalls um ein Naturprodukt handelt, wurde der nachhaltige Entwurfsgedanke des aus Gemeindehaus und angeschlossenem Andachtsraum bestehenden Gemeindezentrums konsequent fortgesetzt. Die Fassade des Gemeindezentrums sollte gemäß Planung eine Holzverkleidung aus vorvergrauter Weißtanne erhalten. Dieses Material besitzt den großen Vorteil einer natürlichen Ausstrahlung bei gleichzeitiger hoher Widerstandsfähigkeit.

Luftansicht beim Richtfest für Holzbau Gemeindezentrum Hasloh
Richtfest aus der Luft. (Foto: Julian Benesch)

Glocken im Holzbau

MMST Architekten beschäftigte sich mit der Glockenplanung für das Gemeindezentrum Hasloh. Das Glockenläuten zur christlichen Andacht ist tief verwurzelt in den Assoziationen mit dem sonntäglichen Kirchgang. Aus diesem Grund ist es selbstverständlich, dass eine Glocke die Andachten mit ihrem typischen Klang ankündigt. Die konstruktive Schwierigkeit: In den Holzbau dürfen keine Schwingungen übertragen werden!

Das geläut als elementarer Entwurfsbestandteil

Die in der Westansicht des Kirchturms gut sichtbaren Glocken sind ein elementarer Bestandteil des Entwurfs – auch deren optische Präsenz unterstreicht ihre Bedeutung. Für die Integration der Glocken wurden drei verschiedene Varianten geprüft, die gemeinsam mit der Firma Iversen & Dimier sowie dem Glockensachverständigen Herrn Scheibe und dem Auftraggeber, dem Kirchengemeinderat, bezüglich Vorzugsvarianten aus Kirchensicht besprochen wurden.

Die Glocken

Die Gemeinde verfügt über zwei Glocken in einem Glockenturm. Diese sollen selbstverständlich wiederverwendet werden, da die Gemeinde daran sehr hängt. Es handelt sich um eine Glocke mit 794 kg (Gießerei Rincker, 1973, Ton f1) und eine Glocke mit 615 kg (Gießerei Bachert, 1995, Ton as1).

Glocke der Gießerei Bachert, 1995

Glocke der Gießerei Bachert, 1995

1. Schwingende Glocken

Schwingende GlockeBei der ersten Variante steht der Glockenturm neben, vor oder hinter dem Gemeindehaus frei. Bei dieser Variante kristallisierte sich ein großer Nachteil heraus: Das „Glockenfenster“ würde nicht der Ansicht der Wettbewerbsperspektive entsprechen, da die lauten, schwingenden Glocken aufgrund der dynamischen Lasten des „richtigen Läutens“ nicht innerhalb der Konstruktion des Gemeindegebäudes stattfinden können. Auch die Notwendigkeit von Drehstrom sowie hohe Kosten für den Glockenturm sprachen gegen die erste Version.

2. Feststehende Glocken

Fesstehende Glocke
Die zweite Variante, auf die die Wahl schließlich fiel, ist ein „simuliertes Läuten“ mit feststehenden Glocken. Bei dieser Variante ist die Integration in das Gemeindehaus sowohl statisch als auch akustisch möglich. Hinter einer Glasscheibe präsentieren sich bei dieser Variante, dem Entwurf gemäß, beide übereinander angebrachten Glocken, die die Botschaft „Ich bin eine Kirche“ optisch weitertragen. Zum Läuten werden die Hammer elektronisch derart angesteuert, dass ein Schwingen simuliert wird. Die Umrüstung ist mit ca. 4000 € verhältnismäßig günstig.

3. Elektronisches Geläut

Gut für den Holzbau - elektronisches Geläut
Als dritte Variante ist ein elektronisches Geläut möglich, bei dem der Glockenton digital mit Lautsprechern erzeugt wird. Die Variante wurde auch deshalb nicht weiter untersucht, weil die bestehenden Glocken gem. Variante „simuliertes Läuten“ weiterverwendet werden können.

Simuliertes Läuten – Tonerzeugung durch Anschlagen eines elektrischen Hammers

Entgegen dem bekannteren Schwingen, das das typische „Läuten der Kirchenglocke“ zur Folge hat, werden die Glocken beim simulierten Läuten nicht bewegt. Sie bringen somit keine Schwingungen bzw. dynamischen Lasten in das Gebäude ein. Ihr charismatischer Ton wird durch das Anschlagen eines elektrischen Hammers, der den typischen Klangrhythmus von Kirchenglocken nachempfindet, erzeugt. Positiv anzumerken ist neben dem wegfallenden Schwingen der Glocke weiterhin, dass der Hammer lediglich 220 Volt benötigt. Laut der Aussage des Glockenexperten Herrn Schwarck von der Firma Iversen & Dimier fällt die mit der Lösung einhergehende Lautstärkenreduzierung einem ungeübten Hörer jedoch kaum auf. Die Variante des simulierten Läutens erwies sich überdies als die kostengünstigste aller geprüften.

Läuten ohne Einbringung dynamischer Lasten

Dass die Wahl auf das simulierte Läuten fiel, kommt dem Ausdruck des holzverkleideten Gemeindezentrums zugute. Da die Glocken nicht schwingen, kann der Glockenturm sehr klein ausfallen, was der Größe entspricht, die im Wettbewerbsentwurf vorgesehen war. Der Glockensachverständige empfahl zudem, auf eine direkte Öffnung der Glockenunterseite zum Platz zu verzichten. Stattdessen werden die Glocken mithilfe eines Fensters sichtbar gemacht. Schall-Luken, die unsichtbar hinter der Holzverkleidung angebracht werden, können für ein adäquates Klangbild ausgebildet werden. So ist zudem eine spätere Feinjustierung des Klanges durch eine Verstellung oder teilweise Schließung von Innen möglich. Eine in der Nähe des Windfangs installierte schallgedämmte Bodeneinschubtreppe macht den Glockenraum für Wartungszwecke zugänglich.

Es ist vorgesehen, die Glocken während der Bauphase, also vor Schließung der Fassaden, einzubringen.


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Projektflyer

Projektteam
Bauherr: Ev. Kirchengemeinde Quickborn-Hasloh
Architekt und Generalplanung: Stefan Scholz mit Tim Pardoe
Mitarbeit: Helena Günther
Landschaftsarchitekt: L+ Felix Holzapfel-Herziger
Gebäudetechnik: IWP Ingenieure, Herr Knittler
Tragwerksplanung: KTC Ingenieure, Herr Behrens