Mietwohnungsbau bezahlbar und doch richtig gut bauen? Wir haben dieses Konzept vorgeschlagen…


2018, Wettbewerb


Mietwohnungsbau als Sharing Community? „Dann klappt‘s auch mit dem Teilen …“

Wie kann Sharing richtig gut funktionieren? Wir haben unser Mietwohnungsbau-Konzept mit einem integrierten Ansatz für das Teilen und die soziale Integration entwickelt!

1. Sharing Community

Sharing community

Die Sharing-Community-Philosophie ist Kern unseres Konzeptes. Die IT-Unterstützung ermöglicht dabei einen herausragenden Peer-to-Peer-Sharing-Ansatz für alle Dinge des täglichen Lebens. Unser Konzept hält die räumlich notwendigen Voraussetzungen für eine möglichst breite Nutzung bereit. Hier hervorzuheben sind: Sharing Kiosk, Mehrzweckraum und die besonderen Mobilitätsangebote. Die P2P-Sharing-Lösung ermöglicht dabei ein umfangreiches Car- und Bikesharing, sowie das Teilen von weiteren kleineren Dingen des Lebens. (Gästezimmer für Oma, Gemüsegarten, Boot, Rennrad…).

Peer-to-Peer Sharing mit integrierten baulichen Lösungen

Unser Wohnkonzept verbindet einen Peer-to-Peer Sharing-Ansatz, welcher durch das IT-System vom Technologie-Partner abgesichert ist und für das Quartier zur Verfügung steht. Dieses Konzept integriert neben der virtuell verfügbaren App mit der Technologie auch physische Bestandteile, die durch das integrierte architektonisch-städtebauliche Konzept ermöglicht werden:

Mietwohnungsbau als Sharing Community

  • Sharing Kiosk als Übergabepunkt, Informations- und Servicestelle (Sharing-Manager)
  • Poststelle im Sharing Kiosk (mit Sharing-Boxen)
  • Anmietbarer Veranstaltungsraum (vom Cafe betrieben, Doppelnutzung)
  • überdachte Sharingplätze für 30 Fahrräder im EG
  • TagesMamaPapaHaus-Konzept
  • P2P-Carsharing-Plätze in EG und TG
  • Gemüsegarten und Obstbäume

Besonderes Mobilitätsangebot P2P-Sharing

Das sogenannte P2P-Sharing ist für eine Community ideal. So können unter ausgewählten Nutzern z.B. der Oldtimer in der Tiefgarage geteilt werden. Dieses Konzept wird im Projekt mit dem Sys-temanbieter SHARE PAR verwirklicht.Es sind neben den 4 Sharing-Parkplätzen in der Privatstraße auch alle Plätze in der Tiefgarage für das Carsharing geeignet.

Mobilitätskonzept mit 90 auto P2P-Sharingplätzen

 

2. Soziodiversität

Sharing community

Das Sharing-Konzept ist auch die Basis für die Integration von besonderen wohnungspolitischen Angeboten. Hier sind besonders hervorzuheben: das TagesMamaPapaHaus, Wohnen mit Assistenz. Der Wohnungsmix ist ausgewogen, wobei 90% der Wohnungen barrierefrei hergestellt werden. 4 Wohnungen werden außerdem rollstuhlgerecht hergestellt. Dadurch ist der Komfort für junge Familien mit Kindern genauso gegeben, wie für ältere Menschen.

Erdgeschoss mit Ecknutzung Sharing Kiosk (LOI) und Apotheke (LOI)

Der Entwurf sieht 162 Wohneinheiten mit einer Gesamtfläche von 15.461 qm vor. Davon entfallen auf Eigentumswohnungen 6.395 qm und auf Mietwohnungen 9.067 qm Wohnfläche. 140 Wohneinheiten sind barrierefrei und 4 Wohneinheiten rolltuhlgerecht geplant.

Mietwohnungsbau Mix: Erdgeschossgrundriss

Projektintegrierte Kindertagesbetreuung

Das aktuelle Gesetz zum quantitativen und qualitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung vom 23.Juni 2017 für den Förderzeitraum 2017 bis 2020 bietet neben den klassischen Betreuungseinrichtungen auch Platz für innovative Lösungen. So wird im Gesetz die Kindertagespflege von Geburt bis Schuleintritt nicht inhaltlich eingegrenzt. Kindertagespflege bezeichnet die Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern bei einer Kinderpflegeperson (umgangssprachlich Tagesmutter genannt.)

TagesMamaPapaHaus

Wir haben einen Prototyp eines speziellen TagesMamaPapaHaus mit geeigneten baulichen Voraussetzungen geschaffen. Eine Dachgeschosswohnung ist nebenstehend dargestellt. Ebenso sind benachbarte EG-Wohnungen (2-3 Zimmer + 1 Zimmer) vorgerüstet (Verbindung). Weiter sind ausreichende Abstellflächen vorgesehen.

Dieser Prototyp funktioniert nur mit der quartiersintegrierten persönlichen Qualifizierung der Pflegepersonen. Dazu sichert unser Partner die notwendigen Quallifizierungen entsprechend § 22 Abs. 1 S. 2 SGB VIII für geeignete Tagespflegepersonen in eigenen Bildungseinrichtungen.

Soziale Integration mit Stiftung Alsterdorf (LOI) – Besondere Wohnform für Menschen mit Behinderungen

Wohngruppen sind nicht mehr zeitgemäß! Inklusion bedeutet die vollständige Einbettung der Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft, ohne dass es zu Einschränkungen kommt.

Das Konzept der Stiftung Alsterdorf wurde daher angepasst. Es werden nur noch einzelne Wohnungen (in unserem Projekt Rollstuhlgerechte) vorgesehen und in den Mietwohnungsbau integriert. Da die aktuelle wohnungspolitische Förderung nur geringe Mieten zulässt, werden im Rahmen dieses Projektes vier 1-Zimmerwohnungen subventioniert für „Wohnen mit Assistenz“ zur Verfügung gestellt.

Wohnungsmix mit barrierefreien Wohnungen im 1. und 2. OG

Subventionierte Miete gemäß Konzept Stiftung Alsterdorf

Die Stiftung Alsterdorf als Partner betreut die Wohnungen. (siehe Letter of Intent)

 

3. Biodiversität

Sharing community

Die Gestaltung der Freiräume für das neue Quartier greift die Vorgaben des Gestaltungshandbuchs des Büros Bruun + Möllers GmbH & CO. KG auf und ergänzt diese durch den Ansatz einer möglichst grünen Gestaltung mit vielfältigen heimischen Gehölzen, Stauden und essbaren Kulturpflanzen. Das neue Quartier wird besondere Qualitäten bieten und sich nach außen öffnen. Hier wird Teilen, gemeinsame Aktivität und Biodiversität „groß“ geschrieben. Mit diesem Ansatz wird das neue Quartier ein wichtiger und identitätsstiftender Bestandteil der neuen Stadtgärten Stellingen.

Topographie
Themenhöfe für Identifikationen

Spielzonen und Aufenthaltszonen für die verschiedenen Altersgruppen natürlich gliedern – die Topographie unterstützt nicht nur die technische Komponente, sondern auch die soziale.

Berg- und Talthemenhöfe für die Stadtgärten Stellingen

Lageplan der Berg- und Talthemenhöfe in den Stadtgärten Stellingen

Spielgarten

Die Innenhofflächen bieten natürliche Materialien für Kinderspiele und das Spielangebot beschränkt sich nicht nur auf bereits vormontierte Geräte wie Klettertürme, Rutschen, Schaukel, sondern bietet auch vielfältige, kleinere Ele-mente, die für verschiedene Spielarten, wie Verstecken, Bewegen, Matschen, Entdecken durch die Kinder verändert werden können – natürliche Elemente, die miteinander kombi-nierbar und zum Teil beweglich sind. Auf diese Weise können Kinder schnell die Spielrichtung und das Spielgeschehen wechseln und ihren Spielraum immer wieder neu gestalten.

 

Heimische Gehölze, Stauden und essbar

Für die Begrünung der Fassaden werden heimische und standortgerechte Gehölze wie Waldrebe, Geißblatt, Efeu und Wilder Wein realisiert. Die Begrünung schafft ein angenehmes Mikroklima und die durch die Gebäude versiegelte Grundfläche wird zurückgewonnen. Untersuchungen haben bewiesen, dass die lokale Lufttemperatur in den heißen Sommermonaten vor der grünen Fassade um jeweils 0,8 Grad C bis 1,3 Grad C gekühlt wird. Die Wandbegrünungen bieten besonders Busch- und teils auch Baumbrütern Lebensräume. Insek-ten, die in den Kletterpflanzen leben, dienen als Nahrungsquelle für die diesbezüglich in Städten benachteiligten Vogelarten und Fledermäuse. So sind Kletterpflanzen Lebensräume für Käfer, Läuse, Fliegen und andere Insekten und somit Nahrungs-habitate für Vögel. Vor allem Amseln nutzen diese Pflanzen auch gern zur Brut. Zahlreiche Schmet-terlingsarten und Bienen trinken vom Nektar dieser heimischen Kletterpflanzen. Ergänzend zur Fassadenbegrünung werden Nisthilfen für die heimischen Vögel und Fledermäuse angebracht. Das Aufhängen von Nisthilfen hilft Vögeln, da es im Neubaugebiet nicht ausreichend Totholz und somit auch nicht genügend Nisthöhlen geben wird.

Fassadenbegrünung mitintegrierten Nisthilfen für die Stadtgärten Stellingen

 

 

Gemüsegarten für den Mietwohnungsbau

Gärtnern ist eine Kulturtechnik, die seit Jahrtausenden in fast allen Kulturen der Erde gepflegt wird. Die gemeinsame Arbeit im Garten schafft die ersten Voraussetzungen für ein verständnisvolles und tolerantes Miteinander. Man lernt sich kennen und das neue Zuhause kann wachsen. Kenntnisse werden geteilt und weitergegeben und es entsteht ein bewusster Umgang mit der Natur. Es wird gemeinsam und miteinander gearbeitet. Die biologische Vielfalt entsteht auf diese Weise fast nebenbei.

Dachnutzungskonzept für die Stadtgärten Stellingen

Solarnutzung

Die extensive Dachbegrünung wird in Teilbereichen durch Photovoltaikanlagen ergänzt ohne dadurch die Qualität der Begrünung zu reduzieren. Im Gegenteil, durch den Wechsel von sonnigen und schattigen Bereich entstehen auf den extensiv begrünten Dachflächen unterschiedlichere Vegetationstypen und vielfältigere Lebensbereiche als dies auf einer vollständig freien Dachfläche möglich wäre. Im Planungsprozess wird dieser Ansatz von Anfang an berücksichtigt und für die eher schattigen Bereiche zwischen den Photovoltaikelementen mit einer Schatten verträglichen Bepflanzung gearbeitet. Zudem erhöhen sich in der Kombination die Solarerträge der PV-Anlage durch die kühlende Wirkung der Begrünung.

Regenwasser
Kaskadenlösung für minimale Einleitmengenin das Siel

Aufgrund der begrenzten Einleitkapazitäten werden die Oberflächenwasserzuflüsse der Baugrundstücke des Baufelds D gedrosselt eingeleitet. In Anhlehnung an die Vorgaben der Entwässerungsplanung Regenwasser für den Bebauungsplan Stellingen 62 werden für die Rückhaltung des Oberflächenwassers der privaten Baugrundstücke verschiedene Komponenten der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung eingesetzt. Zentrales Element ist neben einer großflächigen Dachbegrünung die Rückhaltung in Füllkörperrigolen auf der geplanten Tiefgarage. Diese Rigolen ermöglichen eine hohe Wasserspeicherung, sind begeh- und überfahrbar und begünstigen Verdunstungseffekte. Intensivbegrünung und Verkehrsbelastungen sind möglich.

Entwässerungskonzept für die Stadtgärten Stellingen

Das Niederschlagswasser der Gebäude im südwestlichen und südlichen Bereich wird in einer Mulde gesammelt und verzögert abgegeben. Der Anschluss des Überlaufs für die Mulde und die Retentionsrigolen erfolgt in Richtung Süden an die Planstraße 1. Darüber hinaus stehen optional weitere Flächen zum schadlosen Einstau bzw. Regenwasserrückhalt bei Extremereignissen zur Verfügung (u.a. Kinderspielfläche)

Entwässerung Stadtgärten Stellingen

 

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Projektflyer

Projektteam

Bauherr: Gerlach Wohnungsbau
Architekt: Stefan Scholz
Landschaftsplanung: Landschaftsarchitektur+
Energiekonzept: energydesign Braunschweig GmbH, Wessels, Grünefeld und Diekmann Ingenieurberatung GmbH
Sharingkonzept: Sharing Community Design sharepar.com
Konzept wohnungspolitische Angebote: Evangelische Stiftung Alsterdorf Bereich Bildung
Wohnfläche: ca. 15.461 qm, 162 Wohnungen und Tiefgarage